Der magische Zahn Akiras

In einer malerischen Umgebung unweit von Kingussie grub 1975 ein Team aus Archäologen, Universitätsprofessoren und Freiwilligen eine Ansammlung grossartiger Objekte aus der Wikingerzeit aus. Wahrscheinlich waren die sensationellen Fundobjekte vor über 1300 Jahren durch die Wikinger hierhergebracht worden. Doch nicht schlecht staunte Nick Cart, Grabungsleiter am archäologischen Institut der University of the Highlands, als er auf einen länglichen Gegenstand stiess, der einem Wikingerhorn glich. Nach seiner Einschätzung handelte es sich bei seinem Fund um einen Zahn.
 
Seine Annahme wurde von einer Einheimischen Fischerin am schottischen Fluss Spey, nicht unweit vom Grabungsort, bestätigt. Sie kannte von ihren Vorfahren eine Überlieferung, die besagt, dass es sich bei dem gefundenen Riesenzahn um einen Eckzahn einer längst ausgestorbenen Spezies handelt. Es ist die Legende vom magische Zahn Akiras.
Diese unglaubliche Geschichte stammt aus der Zeit der Wikinger, als diese in Schottland einfielen und Angst und Schrecken verbreitet hatten. Europas Herrscher waren damals über die Brutalität der Angriffe bestürzt und den Bewohnern Britanniens standen schlimme Zeiten bevor. Im Laufe der Jahrhunderte gewannen die Wikinger immer mehr Macht und die Einheimischen mussten sich den rauen Sitten der Nordmänner beugen.
Stolz erzählte die Lachsfischerin am Spey den Archäologen, was sich damals zugetragen hatte und was der Zahn mit ihren Vorfahren zu tun hatte. Die Legende des Säbelzahntigers wird auch „Die Kraft Smilodons“ genannt. Sie erzählt die Geschichte von einem Mädchen namens Akira. Sie gehörte dem Volk der Pikten an (die Bemalten) und lebte im 9. Jahrhundert kurz bevor Kenneth Mac Alpin sich mit den Wikingern verbündet hatte und gegen die Pikten in den Krieg zog.
 
AkiraAkira liebte es, in den Kiefernwäldern am Ufer vom Fluss Spey zu spielen. Zu ihrer liebsten Beschäftigungen zählte die Kampfkunst ihres Volkes. Sie setzte sich schon als Mädchen das Ziel einmal in die Fussstapfen ihres Vaters treten zu können. Trotz innerlichem Stolz, dass seine Tochter sehr mutig war und manchem Jungen den Garaus machte, verbot ihr Vater die abenteuerlichen Ausflüge in den benachbarten Wald und beauftragte seinen treusten Krieger, seine Tochter nie aus den Augen zu lassen.
 
Doch eines Tages, als Akira mit ihrem Holzschwert einen schweren Kampf mit einem Baum zu bestreiten hatte, stand plötzlich ein mächtiges Raubtier mit spitzen langen Zähnen vor ihr. Wie
versteinert standen die beiden einander gegenüber. In Windeseile spannte Akiras Beschützer, der ihr heimlich gefolgt war, einen Pfeil auf und nahm den Tiger sofort ins Visier. Akira bemerkte den Krieger seines Vaters in ihrem Rücken, drehte sich zu ihm und bat ihn das verwunderliche Tier leben zu lassen. Mutig und zum Erstaunen des Bogenschützen, stellte sie sich vor die
Raubkatze. Im selben Augenblick verschwand der unheimliche Besucher in die Tiefe des Waldes.
 
Der Krieger umarmte Akira und war froh, dass er die Tochter seines Königs unverletzt ins Dorf zurückbringen konnte. Um Akiras Vater nicht zu beunruhigen, behielten die beiden die Begegnung mit dem seltsamen Tier für sich.
 
Das Schicksal wollte es, dass Akira eines Tages auf der Flucht vor einer Horde Wikingern in den Wald und zum Fluss flüchten musste. Eingekesselt durch die wilde Nordmänner stand sie am Ufer und sprang voller Verzweiflung in die Fluten. Sofort wurde sie von den Wassermassen mitgerissen und konnte sich kaum über Wasser halten. Unterdessen hatte ihr Vater mit seinen Kriegern die Wilden bezwungen und musste voller Entsetzen zuschauen, wie seine Tochter verzweifelt um sich schlug, als wäre sie mit den Wassermassen in einem Kampf. Hilflos schrie er nach ihr und sah zu wie ihre Kräfte nachliessen. Erschöpft tauchte Akira im dunklen Fluss ab. Zur Verwunderung aller Krieger, die am Ufer standen, sahen sie, wie plötzlich eine grosse Raubkatze aus dem Wasser auftauchte und Akira an Land zerrte. Unversehrt hatte sie der Tiger am Ufer zurückgelassen, wo der glückliche Vater sein Mädchen vom Tod zurückbekommen hatte.
 
Ab diesem Moment verband die beiden eine geheime Freundschaft und der Säbelzahntiger wurde zum Freund und Beschützer der Familie. Viele Jahre später, als erneut Wikinger Akiras Volk bedrohten, starb das schöne Tier beim Versuch, das Mädchen von einem gegnerischen Pfeil zu retten. Doch als der Tiger begraben werden sollte, begannen seine spitzen, fast 25 cm langen Zähne magisch zu leuchten.
Zum Zeichen einer ewigen Freundschaft fertigte sich Akira eine wunderbare Kette mit dem magischen Zahn an. Diese trug sie immer bei sich und wuchs zu einer kräftigen, jungen Frau heran. Mit der magischen Kraft des Tigers konnte Akira noch lange ihr Volk von vielen weiteren Angriffen der Wikinger beschützen. Leider verlor Sie ihren Anhänger bei einem Kampf. Nachdem Sie ihr Schutzamulett verloren hatte, trat ein neuer Herrscher auf den Plan, dessen Name für den schottischen Gründungsmythos steht: Kenneth Mac Alpin. Auch Akiras Volk liess er unterjochen und rief sich zum König der Skoten und Pikten aus.